Kultur und Kirchen – gemeinsam gegen Antisemitismus

EKBO-Kulturbeirat diskutiert über Antisemitismus zwei Jahre nach dem 7. Oktober

Am 26. November 2025 tagte der Kulturbeirat der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zum wachsenden Antisemitismus in den Debatten um das militärische Vorgehen Israels in Gaza zwei Jahre nach dem 7. Oktober 2023. Die Mitglieder des Beirats zeigten sich zutiefst besorgt über das Ausmaß von antisemitischen Haltungen, Drohungen und Boykott von jüdischen Kulturschaffenden in Deutschland und forderten ein gemeinsames kulturpolitisches Eintreten von kirchlichen und kulturellen Akteuren gegen Antisemitismus und für jüdische Kulturschaffende und den Dialog mit ihnen.

Die Direktorin des »Instituts für neue Soziale Plastik«, das Kulturprojekte aus jüdischer Perspektive entwickelt und berät, Stella Leder, wies auf die zentrale Rolle von Kunst und Kultur für die Entwicklung breitenwirksamer Imaginationen sowohl zugunsten als auch gegen Antisemitismus hin. Kultureinrichtungen seien oftmals überfordert mit Blick auf den Umgang mit öffentlichen Debatten über Antisemitismus und bräuchten mehr Beratung und finanzielle Unterstützung, um sich den emotionalen und komplexen Debatten stellen zu können – anstatt sie aufgrund von Überforderung zu umgehen.

Laut dem Editor-at-Large des Berliner Tagesspiegels, Stephan-Andreas Casdorff, sei der Antisemitismus ein »Virus«, das nie verschwunden sei und in den aktuellen Debatten über das militärische Vorgehen Israels in Gaza wieder offen zutage trete: Antisemitische Klischees und Desinformation bestimmten die mediale Debatte und führten zu einer »Diskursmüdigkeit«. Kirche und Kultur müssten aktiv entgegensteuern – etwa durch moderierte Diskursforen, durch Antisemitismusschulungen und Kunstformate.

Die Generalsuperintendentin von Berlin, Prof. Dr. Julia Helmke, betonte: »Antisemitismus ist Sünde!« Es gibt eine langjährige Verbundenheit mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, also zwischen Landeskirche, Israel und Palästina. Es gibt mit Blick auf Israel und Gaza eine Polarisierung und eine Verunsicherung in den Gemeinden, zugleich auch eine großes theologisches Interesse, sich zu informieren. Die Aufgabe der Kirche bestehe darin, Dialogräume offen zu halten und auch Raum für Sprachlosigkeit und Klage zuzulassen. Kunst und Kultur könnten mit eigenen Formaten – wie etwa musikalischen Projekten – dazu beitragen.

Diskutiert wurden Ansätze zur Antisemitismusprävention: Antisemitismusklauseln seien weniger zielführend als die Förderung und Sichtbarmachung von gelungenen Dialog- und Kulturprojekten mit jüdischen Kulturschaffenden. Hier spiele die Kulturpolitik eine entscheidende Rolle, die über die Förderung solcher Projekte entscheide.

Die Sprecherin und Sprecher des EKBO-Kulturbeirates betonen:

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin a.D.: »Es ist zutiefst erschütternd, dass Kulturveranstaltungen von und mit jüdischen Kulturschaffenden heute nur unter immensem Sicherheitsaufwand und bisweilen unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit stattfinden können.«

Bischof Dr. Christian Stäblein: »Wir als Kirchen tragen – eingedenk der eigenen Geschichte des christlichen Antisemitismus – eine besondere Verantwortung für die reale Bedrohung, die Antisemitismus bis heute darstellt. Auch und gerade jetzt, zwei Jahre nach dem 7. Oktober, wollen wir unsere Räume für jüdische Kulturschaffende und den Dialog mit ihnen öffnen. Kirchenräume müssen Dialog- und Schutzräume gegen Antisemitismus sein!«

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats: »Der Kulturbereich steht in seiner überwiegenden Mehrheit klar und unmissverständlich gegen jede Form des Antisemitismus. Ebenso eindeutig stehen wir auf der Seite der israelischen Künstlerinnen und Künstler, die Deutschland und anderswo an Auftritten gehindert werden.«

Hintergrund:

Der Kulturbeirat der EKBO wurde am 8. April 2022 konstituiert und besteht aus rund 40 Vertreterinnen und Vertretern aus Kultur und Kirche. Er tagt zwei- bis dreimal im Jahr zu gemeinsamen Fragestellungen und Handlungsfeldern von Kultur und Kirche. Darüber hinaus dient er der Information und Beratung des Bischofs und der Kirchenleitung in kulturellen und kulturpolitischen Fragen.

Für weitere Fragen:

 

Pfarrer Hannes Langbein
Kunstbeauftragter der EKBO und
Geschäftsführer des EKBO-Kulturbeirats
Stiftung St. Matthäus
Auguststraße 80
10117 Berlin
Tel: 030-28395283
langbein@stiftung-stmatthaeus.de