Neugier als Kompass:
Ein interdisziplinäres Lebenswerk

Zum 100. Geburtstag von Hans-Peter Reinecke lädt das Duo Slaatto Reinecke zu einem Gedenkkonzert mit Werken von Franz Ignaz Biber, Johann Sebastian Bach, Philippe de Vitry, Lasse Thoresen, Per Nørgaard, Arcangelo Corelli und Wolfgang von Schweinitz ein. Es spricht Professor Dr. Thomas Rathmann.

Hans-Peter Reinecke (oben) / Helge Slaatto und Frank Reinecke (unten), Fotos: © privat

Im Zentrum dieses Konzertes steht ein knapper Zyklus des mittelalterlichen Multitalents Philippe de Vitry, Meister der »Ars Nova«, das in quintenreiner pythagoräischer Stimmung
erklingen wird. Die Motetten aus dem »Roman de Fauvel«, einer satirischen Versdichtung aus dem 14. Jahrhundert, lassen an Aktualität nichts zu wünschen übrig: FAUVEL steht als Symbolfigur für einen Esel, der durch Korruption, Heuchelei und Lüge zu größter Macht gelangte, und damit Verfinsterung über die Welt brachte. Die Uraufführung von Lasse Thoresen’s »Tosomt 2« lässt urzeitliche Intonationen der norwegischen Volksmusik frisch aufblühen. Corellis berühmte »Follia« lässt sich in der kontrapunktstarken Originalbesetzung »per Violine e Violine« erleben. Seite an Seite mit einem apokryphen Duett von Bach wird sich der Kirchenraum dem Äther naturtöniger Sphären des Wolfgang von Schweinitz öffnen. Auch ein Liebeslied von Per Nørgård wird sich hören lassen, und einige Überraschungen.

Duo Slaatto Reinecke
Seit den 1980er Jahren entdecken und erforschen der Violinist Helge Slaatto, von 1992 bis 2018 Professor für Violine an der Hochschule für Musik Münster und ehemaliger Konzertmeister beim Odense Symfoniorkester, und Kontrabassist Frank Reinecke, von 1983 bis 2024 Mitglied beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und von 1996 bis 2001 Honorarprofessor am Mozarteum Salzburg, musikalisches Neuland.

Sie haben kontinuierlich ein umfangreiches zeitgenössisches Repertoire für Violine und Kontrabass aufgebaut und in ihm eine eigene Handschrift in Virtuosität und Klang entwickelt. Auf dem Gebiet mikrotonaler Musik, besonders der JI (= Just Intonation) entwickelten sie eine besondere spieltechnische Expertise. Sie haben zahlreiche Werke namhafter Komponist*innen angeregt und uraufgeführt, von denen viele als CDs dokumentiert sind.

Hans-Peter Reinecke 1926–2003
»Er gehörte zu den vielseitigsten und innovativsten Kollegen in der deutschen Musikwissenschaft. Reinecke war u.a. Professor für Systematische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg und langjähriger Direktor des Staatlichen Instituts für Musikforschung… Interdisziplinarität, realistische Orientierung am Musikleben sowie die Notwendigkeit, den wissenschaftlichen Diskurs mit kritischer Empirie zu konfrontieren, bestimmten seine akademischen wie kulturpolitischen Aktivitäten.« (aus dem Nachruf im Musikforum Oktober-Dezember 2003)

Direkt vor dem Konzert kann um 16:30 Uhr die Führung »Schall – Übertragung – Ästhetik« durch die akustischen Funktionsräume des SIM anlässlich des 100. Geburtstags von Hans-Peter Reinecke besucht werden, Kosten: 10 €/erm. 5 € (Museumseintritt). Da die Teilnehmer*innenzahl begrenzt ist, wird um eine telefonische Anmeldung an der Museumskasse unter 030/25481-178 gebeten. Alle weiteren Informationen zur Führung finden Sie hier.

Termin:
Do, 25.06.2026, 18:00 Uhr

 

Ort:
St. Matthäus-Kirche
Kulturforum Berlin
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

 

Eintritt frei