A K Dolven: four hundred million years of sunrise from the dark

Ausstellung vom 18. September 2026 bis 31. Januar 2027 in der St. Matthäus-Kirche im Kulturforum Berlin

 

Pressevorbesichtigung:
Do, 17. September 2026, 11 Uhr
Akkreditierung unter info@stiftung-stmatthaeus.de

 

Gesprächspartner*innen
zur Pressevorbesichtigung:

A K Dolven, Künstlerin

 

Dr. Clara Meister, Kuratorin der Ausstellung

 

Hannes Langbein, Direktor Stiftung St. Matthäus

 

Eröffnung:
Do, 17. September 2026, 19 Uhr

A K Dolven, four hundred million years of sunrise from the dark, Ausstellungsansicht © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: © Leo Seidel

Die norwegische Künstlerin A K Dolven zeigt in der St. Matthäus-Kirche in Berlin Arbeiten über Zeit, Berührung, Erinnerung und Veränderung. Die Ausstellung möchte geologische Zeiträume in Beziehung zu persönlichem Erleben setzten.

Ausgangspunkt und Inspiration der neuen Arbeit »four hundred million years of sunrise from the dark« ist ein gefundenes Stück Gestein von den norwegischen Lofoten-Inseln. A K Dolven hat den Stein auf einer Seite aufgeschnitten und poliert, sodass die inneren rosanen, türkisenen und grauen inneren Schichten sichtbar werden, die sich mit dichten schwarzen Formationen abwechseln. Der Stein wird zu einem komprimierten Archiv geologischer Zeit. Die Skulptur lädt zur Berührung ein. Besucher*innen können auf den Stein klettern, auf ihm sitzen oder mit der Hand über seine polierte Oberfläche streichen. Marmor entsteht, wenn Gestein unter großer Hitze, hohem Druck und chemischen Veränderungen rekristallisiert. Seine charakteristischen Adern und Strukturen entstehen durch die Verteilung von Bestandteilen wie Ton, Sand oder Eisenoxiden während dieses Prozesses. Die farbigen Linien in »four hundred million years of sunrise from the dark« sind daher keine bloße Ästhetik, sondern Spuren chemischer Prozesse, von Druck und Veränderung. Auf der polierten Fläche wird die Geschichte einer tiefgreifenden Transformation sichtbar, in der Zerstörung in Schönheit übergeht. Geologie erzählt so eine Biografie.

In der Soundarbeit »please return« ruft A K Dolven das Wort »Come!« (Dt.: Komm) in die Landschaft der Lofoten. Ihre Stimme breitet sich über einen See aus und kehrt als Echo von einem entfernten Berg zurück. In diesem Echo verdichten sich unterschiedliche Gefühle von Sehnsucht, Erwartung, Trauer, Dringlichkeit und Hoffnung. Die Landschaft wird selbst zum Gegenüber, indem sie die Stimme aufnimmt und verändert zurückgibt.

Die Serie »One Day More« umfasst Malereien im DIN-A4-Format, die jeweils an einem Tag entstanden sind und so eine fortlaufende tägliche Arbeit dokumentieren. Die Serie entstand während der Pandemie, als gewohnte zeitliche Strukturen und Zukunftsperspektiven unterbrochen waren. Als Bildträger verwendet A K Dolven Aluminium. Im Unterschied zu Papier reflektiert die Oberfläche das Licht und verleiht dem aufgetragenen Ölpigment eine besondere Leuchtkraft. Die Farbe erscheint dabei weder vollständig transparent noch opak.
Berührung verbindet die Arbeiten. Eine Hand auf dem Stein, der Pinsel auf einer Oberfläche, und die Stimme, die den Körper der Zuhörenden erreicht, machen Gegenwart unmittelbar erfahrbar.

So entsteht eine Ausstellung, in der Millionen Jahre geologischer Veränderung, persönliche Erinnerung und der flüchtige Moment des eigenen Erlebens miteinander in Beziehung treten. A K Dolven lenkt den Blick auf die Spuren, die Zeit hinterlässt, und auf die Frage nach dem Erleben der eigenen Gegenwart.

A K Dolven (*1953) lebt und arbeitet in Oslo und auf den norwegischen Lofoten Inseln. Seit den 1980er-Jahren entwickelt sie ein medienübergreifendes Werk, das Malerei, Fotografie, Performance, Installation, Film und Sound umfasst. Dabei bewegt sich Dolvens Werk zwischen dem Monumentalen und dem Minimalistischen, dem Universellen und dem Intimen.

Dolven ist international in bedeutenden Museen und Ausstellungshäusern vertreten, darunter die Kunsthalle Bern, das Philadelphia Museum of Art, die IKON Gallery in Birmingham, das Nationalmuseum für Kunst in Oslo, KIASMA in Helsinki und das Louisiana Museum of Modern Art. In Berlin war ihr Werk unter anderem im Hamburger Bahnhof zu sehen, 1999 bekam sie als erste weibliche Malerin den Fred Thriller Preis in der Berlinischen Galerie.

Die Verbindung der Künstlerin zu Berlin reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Bereits 1986 war sie in der DAAD Galerie Berlin in der Ausstellung »Borealis« vertreten. 1987/88 kam sie als Artist-in-Residence an das Künstlerhaus Bethanien und erhielt anschließend ein DAAD-Stipendium, das ihren Aufenthalt in Berlin verlängerte. Dolven lebte und arbeitete insgesamt bis 1997 in der Stadt. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Arbeiten und Ausstellungen, darunter Präsentationen in der Akademie der Künste und verschiedenen Berliner Galerien. Nach fast drei Jahrzehnten kehrt A K Dolven nun mit einer Einzelausstellung nach Berlin zurück. Die Ausstellung in St. Matthäus knüpft an ihre langjährige Verbindung zur Stadt an und gibt erstmals seit vielen Jahren wieder einen konzentrierten Einblick in ihr Werk.

Arbeiten von A K Dolven befinden sich in zahlreichen internationalen Sammlungen, darunter im Art Institute of Chicago, im Philadelphia Museum of Art, in der Arts Council Collection, im KIASMA, in der Sammlung Hoffmann, der Sammlung Goetz, im Louisiana Museum of Modern Art, im Nationalmuseum Norwegen und im Kupferstichkabinett Berlin.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

19.11.2026, 20 Uhr

noch ein tag – one day more
Konzertperformance mit A K Dolven und Stian Westerhuis, Gitarre

Daten für das Künstlerinnengespräch und weitere Veranstaltungen werden auf der Website bekannt gegeben.

Laufzeit:
18.09.2026 – 31.01.2027

 

Ort:
St. Matthäus-Kirche
Kulturforum Berlin
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

 

Öffnungszeiten:
Di bis So, 11:00 bis 18:00 Uhr

 

Eintritt frei

Die Ausstellung wird gefördert durch: